Worueber ich mich noch beschweren wollte…

December 4, 2009

Heute mal zur Abwechslung ganz auf deutsch, ich glaube nicht, dass das hier die Regel wird, muss aber auch ab und zu mal sein. Evtl. wird auch gleich ueber Schweden gelästert.

Wenn ich Menschen aus Deutschland erzähle wo ich wohne, zumindest in Gesprächen in denen es im Entfernten um Feminismus geht, finden die das meistens ganz toll, den Schweden ist ja so fortschrittlich und hastenichgesehn. Falls man Fortschritt in der Emanzipation alleine an der Verfuegbarkeit von Kindergartenplätzen und Gehaltsunterschieden misst stimmt das sicherlich auch, denn in Schweden verdienen die Frauen ein bisschen weniger weniger als ihre männlichen Kollegen, verglichen mit Deutschland und sie können ihr Kind dann auch während sie Vollzeit arbeiten in die Tagesstätte bringen und nachher wieder abholen. Wer sich deswegen anmasst, Schweden als ein gleichberechtigtes Land zu bezeichnen -und das tuen auch sehr viele Schweden-, dem empfehle ich dringends Maria Svelands “Bitterfotze” zu lesen. Egal, eigentlich sollte das sowieso jeder lesen und Maria Sveland sollte mich heiraten, aber das ist eine andere Geschichte.

Anyway, ich arbeite seit Fruejahr 2009 beim “Örebro Tejjour”, was wörtlich uebersetzt soviel wie Mädchennotdienst heisst. Wir sind ein ehrenamtlicher Verein von Frauen zwischen 20 und 30, die dazu beitragen wollen, junge Mädchen zu unterstuetzen, so schnulzig das jetzt auch klingen mag. Konkret sieht das so aus, das wir zum einen Montags abends mit Mädchen telefonieren oder chatten, die mit jemandem sprechen möchten, nicht als Psychologen sondern mehr als Mitmenschen, denn viele dieser Mädchen haben nicht viele Freunde mit denen sie ueber alles reden können oder ein intaktes Verhältnis zu ihren Eltern. Zum anderen besuchen einige von uns Schulen und sprechen dort mit Mädchen ueber Sexualität, Körperbilder, Feminismus, Selbstbewusstein und anderes, was meistens auch sehr positiv aufgenommen wird.

Letzte Woche wurden wir gefragt, ob wir nicht Lust hätten, an einer Verantstaltung im Rahmen des internationalen Tages gegen Gewalt gegen Frauen teilzunehmen, die von einer Organisation namens Unifem gehalten wurde. Selber reden wollte niemand, aber einige von uns kamen als Besucher, was im Klartext bedeutete, dass wir im Nieselregen Rednern auf dem Marktplatz in der Innenstadt zuhörten. Auffällig an dieser Verantstaltung war, das nahezu alle Redner Männer waren, ob das konkret so geplant war weiss ich nicht ganz genau.

Der erste Gedanke der mir durch den Kopf schoss -dafuer bin ich nicht dankbar- war im Stile von “Super, sonst sieht das wieder so aus als wuerden hier nu saure Feministinnen rummeckern.” Eigentlich ein ganz schön bekloppter Gedanke.

Bekloppt, dass man überhaupt das Gefühl hat, dass es sich nur “saure Feministinnen” sind, die sich über sowas beschweren, als ob der Rest der Bevölkerung damit einverstanden wäre. Oder aber, dass die Meinungen von “sauren Feministinnen” nicht so wichtig wären.

Auf der einen Seite finde ich es natürlich gut, wenn sich Männer gegen Gewalt gegen Frauen aussprechen, aber auf der anderen stört es mich auch, dass man das durch die Auswahl der Redner so extrem betonen muss. Dass man die Tatsache, dass auch die meisten Männer gegen Gewalt gegen Frauen sind, hervorheben muss, ist ja an sich auch absurd, aber da wären wir dann ja schon an dem Punkt wie absurd es eigentlich ist, dass UN-Tage, Verantstaltungen und Reden gegen Gewalt überhaupt notwendig sind.

Humoristischer Höhepunkt der Veranstaltung wurde erreicht, als eine der Organisatorinnen einen Redner als Herr Soundso vom “Netzwerk Gewalt gegen Frauen” vorstellte, welches, wie sich später herrausstellte, eigentlich GANZ anders hiess.

Es wurde nicht besonders viel neues gesagt, Politiker und Offizielle sprachen sich auf verschiedenste Weise gegen Gewalt aus (surprise!); ob darauf irgendwann auch Taten folgen und besonders wie diese aussehen wuerden, bleibt fraglich. So war z.B. unter den Rednern auch ein ranghoher Polizeibeamter, und natuerlich wuerde von deren Seite ja alles getan, um häusliche Gewalt zu verhindern, meinte er. Das war also am Mittwoch. Am darauffolgenden Montag hatte ich eine Schicht auf der Arbeit beim Mädchennotdienst und wurde ungefähr 5 Minuten nach Schichtbeginn damit konfrontiert, dass der nette Polizist da vielleicht ein bisschen uebertrieben hat. Details unterliegen natuerlich meiner Schweigepflicht und ich kann auch nicht mit Sicherheit sagen, ob nun die Polizei in den mir bekannten Fällen richtig hadelt oder nicht, die Signale jedoch, die sie an Opfer häuslicher Gewalt sendet, sind jedoch oft andere, als die an ein öffentliches Publikum auf Verantstaltungen.

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